RADIOKOLLEG OE 1

Mo 28.10. bis DO 31.10.2019
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Die Zahl der Schifahrer stagniert -  schon im Jahr 2050 soll in Höhen von unter 1800 Meter kein Schifahren mehr möglich sein – „Overtourism“ am Beispiel Hallstatt und Salzburg – Neue Konzepte für den alpinen Sommer- und Wintertourismus sind gefragt.

Alpintourismus im Zeichen des Klimawandels (2). Gestaltung: Andreas Wolf

Rund 100 Millionen Menschen besuchen jährlich die Alpen. Dem gegenüber stehen nur 14 Millionen Bewohner dieser Region. Viele von ihnen leben, direkt oder indirekt, vom Tourismus. Ohne diesen käme es zu einer massiven Abwanderung. Im Vergleich zur Sommersaison dominiert aktuell der Wintersport. Doch die Zahl der Schiläufer stagniert. Der Wandel von der ehemaligen Breitensportart zum teuren Luxusvergnügen hat viele Ursachen, eine liegt im wärmer werdenden Klima. Um auch in niederen Lagen überhaupt noch Schifahren zu können sind gigantische Investitionen in Beschneiungsanlagen nötig. Dazu kommt der Trend zu immer komfortableren und schnelleren Liftanlagen. Das Resultat sind Tageskartentarife von teilweise 50 Euro und mehr. Für viele alpine Schigebiete bedeuten die Investitionen allerdings nur einen Aufschub ihres Niederganges, denn schon im Jahr 2050 soll in Höhen von unter 1800 Meter kein Schifahren mehr möglich sein.

Gesucht sind deshalb völlig neue Konzepte für den alpinen Winter- und Sommertourismus. Der Bogen spannt sich von neuen CO2 freien Verkehrskonzepten, über die Diversifizierung des Angebotes, die Schaffung digitaler Vermittlungsprojekte, bis hin zu nachhaltigen Tourismuskonzepten. Ein weiteres Problem ist die Internationalisierung des Alpentourismus. Mit dem Flugzeug anreisende Gäste tragen mit einem 10 Mal höheren CO2 Ausstoß als Bahnreisende zum Klimawandel und damit zur Zerstörung des Alpenraumes bei.

In diesem Zusammenhang müssen auch Werbestrategien und internationale Auszeichnungen überdacht werden. So sind die durch die Verleihung des UNESCO Welterbes ausgelösten Tourismusströme oft der "Todeskuss" einer Region. Von dieser Entwicklung besonders betroffen ist der kleine oberösterreichische Ort Hallstatt. Den rund 780 Einwohnern stehen rund 1 Million Besucher gegenüber. 2018 "überrollten" 19.344 Reisebusse die idyllische Gemeinde. Für Einheimische hat der "Overtourism" katastrophale Folgen. Touristen dringen in private Gärten und Wohnzimmer ein. Manche benutzen sogar ungefragt private Toiletten. Selbst Trauerfeiern gelten unter Besuchern mittlerweile als "Events" an deren Ende applaudiert wird. Obwohl viele Hallstätter direkt oder indirekt vom Tourismus leben ziehen die Bewohner fort. Um die verlorene Lebensqualität für die einheimische Bevölkerung zumindest teilweise wieder zurück zu gewinnen, dürfen Busse ab 2020 nur noch mit limitierten Vorverkaufskarten während genau definierter Zeitfenster den Ort besuchen.

Link: https://oe1.orf.at/programm/20191029#581427

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